Was ist ein handschriftliches Testament?
Ein handschriftliches Testament, auch eigenhändiges Testament genannt, ist die einfachste und kostenfreie Form, einen letzten Willen festzuhalten. Es bedarf keines Notars und keiner Zeugen. Allerdings müssen bestimmte Formvorschriften zwingend eingehalten werden, sonst ist das Testament unwirksam.
Rechtsgrundlage: § 2247 BGB, Eigenhändiges Testament
Welche Formvorschriften sind zwingend?
- Vollständig handschriftlich verfasst, kein Tipp-/Drucktext, kein PC
- Vollständige Ortsangabe und Datum (Tag, Monat, Jahr)
- Eigenhändige Unterschrift, mit vollständigem Vor- und Nachnamen
- Testierunfähigkeit darf nicht vorliegen (geistige Klarheit zum Zeitpunkt der Errichtung)
⚠️ Ein am PC geschriebenes Testament, auch wenn es handschriftlich unterschrieben ist, ist rechtlich UNWIRKSAM.
Was sollte ein handschriftliches Testament enthalten?
Damit das Testament eindeutig und vollständig ist, empfehlen sich folgende Angaben:
- Klare Erbeinsetzung, z. B.: Ich setze X als meinen Alleinerben ein.
- Eindeutige Identifikation der bedachten Personen (Name, ggf. Geburtsdatum)
- Regelung für den Fall, dass der eingesetzte Erbe vor dem Erblasser stirbt
- Vermächtnisse: Wenn bestimmte Gegenstände an bestimmte Personen gehen sollen
- Testamentsvollstrecker: Wenn jemand die Abwicklung des Nachlasses übernehmen soll
Häufige Fehler und ihre Folgen
Fehler 1: Kein vollständiges Datum
Fehlt das Datum, kann ein Testament unwirksam oder angreifbar sein, insbesondere, wenn mehrere Testamente existieren und unklar ist, welches das neuere ist.
Fehler 2: Unklare Formulierungen
Formulierungen wie „Mein Haus soll meiner Tochter gehören" können unklar sein, wenn der Erblasser mehrere Töchter hat oder mehrere Häuser. Präzision ist entscheidend.
Fehler 3: Kein Hinweis auf frühere Testamente
Wenn nicht klar ausgedrückt wird, dass frühere Testamente aufgehoben werden, können Widersprüche entstehen, die zu aufwendigen Auslegungsstreitigkeiten führen.
Fehler 4: Pflichtteil ignoriert
Ein Testament, das nahe Angehörige vollständig übergeht, ist zwar wirksam, löst aber Pflichtteilsansprüche aus. Die Enterbung hat Konsequenzen, die vorab bedacht werden sollten.
Wo sollte ein Testament aufbewahrt werden?
- Amtliche Verwahrung beim Amtsgericht (Nachlassgericht), gegen geringe Gebühr
- Beim Notar, der das Testament im Zentralen Testamentsregister registriert
- Nicht zu Hause in der Schublade, Testamente können verloren gehen oder vernichtet werden
Tipp: Hinterlegen Sie Ihr Testament beim Amtsgericht. Es wird dann nach Ihrem Tod automatisch geöffnet und eröffnet.
Wann ist ein notarielles Testament besser?
Bei komplexen Vermögensverhältnissen, Unternehmensnachfolge, Patchwork-Familien oder internationalem Vermögen empfiehlt sich ein notarielles Testament. Es bietet höhere Rechtssicherheit und benötigt keinen Erbschein, da das Eröffnungsprotokoll des Notars ausreichend ist.

